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„Der Kornkasten steht heute auf einem
vierseitigen Holzschwellenrahmen, der zwecks guter
Belüftung sowie zur Abwehr von Schädlingen und
Bodenfeuchtigkeit auf Steinen liegt. Er ist in der für
diese Art von Holzbauten charakteristischen
Bohlenbauweise in Kombination mit traditioneller
Stabtechnik gezimmert. Als Material wurde das harte Holz
einer nahezu 200-jährigen Eiche verwendet. Sein
rechteckiger Grundriss ist 5,65 m lang und 3,55 m breit;
er war ursprünglich etwa 5,80 m hoch. Durch den mehrfachen Standortwechsel wurden
jedoch offenbar die angefaulten unteren Brettlagen
entfernt und verkürzt, so dass die Gesamthöhe bis heute
um etwa 0,50 m reduziert wurde. Die gesamte Konstruktion war einst ausschließlich
genutet, gezapft und
gedübelt, und somit in der traditionellen
Holztechnik gezimmert. Vor der aktuell erfolgten
Grundsanierung waren jedoch im Verlauf seiner jüngeren
Geschichte weitere bauliche Veränderungen z.B. durch
einschlagen von Eisennägeln verursacht worden. Dies hat sich auf
die Haltbarkeit der verwendeten Hölzer mit
Rissbildungen, Eindringen von Feuchtigkeit und
Fäulnisprozessen nachweisbar zum Nachteil der
Gesamtstabilität des Bauwerks ausgewirkt. Wie bei
allen zweistöckigen Kornkästen führte früher eine
hölzerne Außentreppe mit balkonartigem Treppenabsatz zu
einer giebelseitig eingelassenen Bohlentür im
Dachgeschoss.
Lokalhistorisch fällt der Bau des
Kornspeichers in die Zeit der
Reformation im Kirchspiel Schwelm und liegt kurz vor der
zweiten Stadtrechtsverleihung im Jahr 1590. Er steht
zeitlich an der Schwelle des Übergangs vom Mittelalter
zur Neuzeit und ist heute das älteste erhaltene Exemplar
seiner Art in der näheren und weiteren Umgebung,
einschließlich der angrenzenden Gebiete des Rheinlands
und des westlichen Sauerlandes. Ältere Kornkästen werden
lediglich noch in der Literatur aufgeführt: ein bereits
vor 1959 abgebrochener Garnkasten vom Seelhof in Barmen
aus dem Jahr 1577, ein weiterer von der Rosenaue in
Barmen von 1587 sowie zwei nicht näher bezeichnete
Kornkästen aus bzw. bei Barmen von 1587 und 1592. Der
nächstälteste Kornkasten steht auf dem Hof "Großer Siepen"
in Sprockhövel -Herzkamp aus dem Jahr 1597.
Die Bezeichnung als „Haferkasten" sei im
vorliegenden Fall nicht zutreffend. Hafer- |
Futterkisten waren kleine Behälter für Tierfutter, die innerhalb oder in unmittelbarer
in Nähe der
Stallungen aufgestellt wurden. Sie sind ihrer Funktion nicht mit den hausartigen Kornkästen zu verwechseln, die
als hölzerne Speicherbauten reicher Höfe die wertvollsten Güter, wie das
Korns und andere Wertsachen sicherten. Solche Bauten,
die sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben, gab
es schon im bäuerlichem Umfeld der feucht-kühlen
Bergregionen von Nordwest- und Mitteleuropas seit der
Jungsteinzeit vom 5. Jahrtausend v. Chr. bis in die Zeit
des Barock im 18. Jahrhundert."
Die Expertendiskussion, ob
Korn- oder Haferkasten, konnte bisher nicht gelöst
werden.
- Der Kornkasten vom Hof Mennenöh in Schwelm -
| Schriftenreihe des
Vereins für Heimatkunde Schwelm e.V.
Der
Martfeld-Kurier Nr. 32 wird kostenlos abgegeben und ist in der Geschäftsstelle des
Vereins für
Heimatkunde (Telefon 02336 406471 - Hauptstraße 10, 58332
Schwelm), im Museum Haus Martfeld, in der
Stadtsparkasse, Banken, im Rathaus und im Bürgerbüro
erhältlich.
Ausführlicher wird in der Jahresgabe Heft 58 | 2009 des Vereins für Heimatkunde
Schwelm e.V. [Text:
Cornelia Hackler] über Baubeschreibung,
Sockelkonstruktion und Standorte, sowie Zeitstellung und
kulturgeschichtliche Bedeutung des Kornkastens berichtet.
Die Jahresgabe kann über den Verein für Heimatkunde oder
im Buchhandel bezogen werden.
Quelle: Museum Haus Martfeld und Stadtarchiv | 58332
Schwelm, Haus Martfeld 1 |