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Österreichische
(und altbayerische) Emigranten im ehemaligen Gebiet
der Herren von Lentersheim auf Ober
≈
Steinbach (Mittelfranken)
Sonderdruck aus den „Blättern des Bayrischen
Landesvereins für Familienkunde“. 1931 Nr. 6/7 Max Kellerers Verlag
München
von Wilhelm Dannheimer, Pfarrer in Markt Taschendorf
Zur Lentersheimischen Herrschaft
Obersteinbach gehörten um 1650 die Ortschaften:
Markt Taschendorf (34
Höfe), Obersteinbach (13 Höfe), Lachheim (8 Höfe), Obertaschendorf
(6 Höfe), Frankfurt (6 Höfe), Lerchenhöchststadt (5 Höfe),
Birkach (2 Höfe), und von Kornhöfstadt (2 Höfe), - sämtl. Bezirksamt
Scheinfeld - ferner: Rossbach (13 Höfe), Stübach (7 Höfe) und von
Frankenfeld (2 Höfe) (Bezirksamt Neustadt/Aisch).
Wer sich mit den Bewohnern
des südlichen Steigerwaldes über die Vergangenheit der Gegend und über
die Geschichte einzelner Familien unterhält, der stößt nicht selten
auf die Behauptung:
„Mein
Großvater, meine Großmutter, hat mir erzählt,
dass wir von vertriebenen Salzburgern abstammen sollen.“
Hier handelt es sich
allerdings um die Meinung, dass die Vorfahren mit den großen Salzburger-zügen um 1732 eingewandert seien (Salzburger Exulanten *).
Jedoch schon lange vor den eigentlichen „Salzburgern“ war eine
Einwanderung zwischen 1650 und 1690 aus Österreich und Franken erfolgt.
Die Entvölkerung durch den
30-jährigen Krieg war auch für den südlichen Steigerwald typisch. Es war
nur noch ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung vorhanden, die überwiegende Mehrzahl der Häuser ausgestorben, verbrannt und verfallen. Im
Gebiet der Reichsfreiherrn von Lentersheim auf Obersteinbach waren 1658,
also fast 10 Jahre nach dem Friedensschluss, noch ca. 60 Bauerngüter
besetzt.
Aus den österreichischen
Landen kamen eben in den Jahren nach dem westfälischen Friedensschluss
immer zahlreicher die um ihres Glaubens willen vertriebenen Evangelischen nach Norden gewandert.
Soviel sich feststellen lässt,
hat die Einwanderung der österreichischen und auch altbayerischen
Emigranten im südlichen Steigerwald kurz vor 1650 eingesetzt. Um diese
Zeit hielt sich in Neustadt a. Aisch oder wenigstens in nächster Nähe
dieser Stadt eine Gruppe von Holzarbeitern auf. Sie werden abwechselnd
als „Steuermärcker“ (aus der Steiermark) oder als „Zimmerleut“
aus dem Salzburger Land bezeichnet.
Nicht uninteressant ist es
auch zu beachten, wie durch den Wechsel der Heimat mancher Emigrant auch
seinen Familiennamen unfreiwillig gewechselt hat. Am neuen Wohnort
schrieb man den Namen so, wie man ihn gesprochen hörte.
Der Kaufpreis der
verlassenen Bauerngüter war in den ersten 15 Jahren nach dem
30-jährigen Krieg erstaunlich gering. Für einen Preis: für 20 – 30
Rhtr. (Reichstaler) wurden die besten Anwesen erworben und den Käufern
waren seitens der Herrschaft für die ersten drei Jahre sämtliche
Steuern und Abgaben erlassen.
Die Löhne der
herrschaftlichen Dienstboten waren dagegen verhältnismäßig hoch: ein
Ochsenknecht erhielt 10 Rhtr. Jahreslohn und ½ Rhtr. Leihkauf, ein
Pferdeknecht sogar im Ganzen 13½ Rhtr.
* Exulanten: allgemein Verbannte;
besonders die im 17. und 18. Jahrhundert aus Salzburg
vertriebene Protestanten |